Hallo,
dass Nikolausfeiern so extrem lustig sein können, hatten ich vor dem zweiten Advent nicht glauben können und doch haben es die Studenten des 34. Theologischen Studienjahrs aus Jerusalem geschafft mich vom Gegenteil zu überzeugen. Eine Show mit besinnlichen Texten, zwei Engeln die das Buch des Nikolaus geklaut hatten, einer menge
Comedy,
Adventsmusik vom Studentenchor und einem echten Nikolaus wurde uns geboten. So viele wie an diesem Sonntagnachmittag habe ich die letzte Zeit selten gelacht.
Natürlich war die Nikolausfeier nicht Alles, was wir am verlängerten Wochenende erlebten. Wer eben einmal in Jerusalem ist unternimmt eben noch mehr. So ging es, die Zeit konnte gar nicht passender sein, nach
Bethlehem an den biblischen
Geburtstort Jesu. Was wir erwarteten war eine mit Pilgern voll gepackte Stadt, 30 Minuten Schlange stehen an der
Geburtskirche und zeitaufwendige Kontrollen am Checkpoint. Was uns in der Kirche erwartete war das hier:

Eine leere
Geburtskirche, ein
Bethlehem das seine vielen Touristenläden verloren hatte und einen Checkpoint, den wir fast ohne Kontrolle durchlaufen konnte. Was hatten wir ein Glück, so steht doch in meinem Reiseführer, dass man gut 30 Minuten einrechnen sollte um in die
Geburtstgrotte zu gelangen. Wir hatten sie für uns alleine! So konnten wir in aller Ruhe Fotos wie echte Touristen machen und einen Moment der Stille genießen. Obwohl es verschiedene Ansichten über den wahren Geburtsort gibt, ist es für Christen etwas ganz besonders diesen Ort einmal zu besuchen. So fiel eine der wenigen Pilgerinnen, die wir dann doch sahen, vor der
Geburtsgrotte zu Boden und war den Tränen nahe. Auch für mich war es etwas Einmaliges hier zwei Wochen vor Weihnachten gewesen zu sein. Ich werde das Evangelium dieses Mal mit etwas anderen Augen sehen. Raus ging es dann wieder durch die "
Demutspforte". Sehr klein und eher für Menschen wie mich gemacht...

Das erste Mal habe ich in
Bethlehem aber auch die Checkpoint-Situation wahrgenommen. 7 Meter hohe Mauern stellen sich vor einem auf und der Eingang scheint genau so klein wie in der
Geburtskirche. Die Kontrollen sind für mich als Deutschen dagegen eher harmlos. Bei der "Einreise" hielt der Polizist seine Hand vor die Augen als ich ihm meinen Ausweis zeigte. So wichtig scheint es wohl nicht gewesen zu sein. Beim austreten wurde man dann schon mehr durchsucht. Wobei man von wirklichen Kontrollen nicht sprechen kann. Am Metalldetektor
piepte es bei mir überall, aber keiner schien sich dafür zu interessieren. Wahrlich ich sehe nicht aus wie ein Terrorist und mein Pass tut den Rest, aber den Sinn dieser Mauer stellt man trotzdem danach in Frage.
Nach einem kalten Abend auf dem Dach der
Dormitio Abtei und einer erholsamen Nacht im
Paulushaus am Damaskustor, ging es am Dienstagmorgen zur
Holocaustgedenkstätte -
Yad Vashem. Ein sehr beeindruckender Ort, den ich jedem nur empfehlen kann. Aus der Sicht der Opfer, mit vielen Einzelschicksalen, wird der Holocaust beleuchtet. In der Schule habe ich schon viel über dieses Thema gelernt und doch ist es mit gerade als Deutscher in diesem Land wichtig sich mit dem Thema stärker als zuvor auseinander zu setzen. Das Museum bietet dazu den passenden Rahmen. Es ist immer wieder aufs Neue erschreckend auf diese Zeit der deutschen Geschichte zurück zu blicken und doch ist es wichtig sich damit auseinander zu setzen, damit so etwas nicht noch einmal vorkommt.
Yad Vashem bietet Platz für die vielen Opfer und dient als ewiges
Mahnmal. Ich bin froh dort gewesen zu sein und werde sicherlich noch mal hinfahren, weil man wirklich nicht die ganze Flut der Information aufnehmen kann.
Gleichzeitig lade ich noch ein paar Fotos hoch, die könnt ihr euch
hier anschauen.
Liebe Grüße aus
Tabgha und eine schöne
Adventwoche,
Martin
P.S. Grund für das leere
Bethlehem war übrigens das Opferfest der Moslems. Sieht man zurzeit ja auch im TV.