Dienstag, 13. April 2010

test

Nur, damit der Blog noch was länger online bleibt.
Mir gehts übrigens gut und ich bin gut in Deutschland angekommen. Es war ein wunderbares Jahr...
Diesmal Grüße aus dem im Vergleich kalten Köln,

Martin

Freitag, 4. September 2009

Aus meinem Rundbrief


"Ein ganzes Jahr in Israel geht für mich zu Ende. Ein Jahr, das ich anfangs mit Spannung erwartet habe und das meine Erwartungen dann doch übertroffen hat. Wenn man zurück schaut, dann merkt man erst, wie viel doch passiert ist. Ich habe Urlaub in Jordanien gemacht, habe Palmsonntag in Jerusalem miterlebt, habe Wüsten durchwandert, war am Mittelmeer schwimmen, bin vielen Spuren Jesu als Pilger gefolgt und und und. Sicherlich gab es Höhen und Tiefen, mit schlechten und guten Tagen, aber am Ende ist das alles vergessen. Ich habe den Ort Tabgha mit all seinen Bewohnern, vor allem aber den Benediktinern, lieben gelernt. Tabgha ist ein Ort, der eine gewisse Kraft versprüht, der etwas Beruhigendes hat und der einem das Gefühl gibt, ganz nah an dem Evangelium dran zu sein. Ganz nah dran am Glauben! Man lebt hier ein ruhiges und ausgeglichenes Leben. Ein Leben im Kloster, das anders als das Leben in Deutschland für mich war und ist, und das ich sicherlich vermissen werde. Ich habe ein neues Land mit seinen verschiedenen Kulturen und Landschaften beschnuppern können und habe neue Freunde kennen gelernt. Ich habe ein ganzes Jahr mit den verschiedenen Jahreszeiten erlebt und dadurch ganz verschiedene Bilder und Eindrücke erfahren dürfen. Ja, ich kann ehrlich sagen, dass ich dieses Land trotz der vielen Probleme in mein Herz geschlossen habe. "Der Mensch wächst mit seinen Aufgaben." So lautet eine bekannte Lebensweisheit. Ich nehme nicht nur das Land im Herzen mit nach Deutschland, nein, ich bin auch gewachsen, gewachsen an einer Aufgabe. Für mich als Mensch war es nach der Schule sicherlich ein wichtiges Jahr. Ein Jahr, das ich nicht missen möchte und das ich jedem nur ans Herz legen kann. Jetzt gehe ich vielen neuen Aufgaben entgegen, aber das „alte“ Tabgha werde ich so schnell nicht vergessen.Am Ende möchte ich einfach noch mal Danke sagen. Danke dem Ort Tabgha und den Benediktinern, die mich so herzlich aufgenommen haben und die ich sicher nicht vergessen werde. Danke an die „Tabgha Family“, die philippinischen Schwestern, dank denen man sich wirklich heimisch gefühlt hat. Danke dem Deutschen Verein vom Heiligen Lande, der uns jungen Menschen erst die Möglichkeit gibt, unseren Horizont zu erweitern. Danke an alle Menschen, die mir in diesem Jahr begegnet sind, die mich geprägt und auf meinem Weg begleitet haben..."

Aus meinem Rundbrief 08/09

Sonntag, 23. August 2009

Ich habe noch nicht mal Zeit zum Schreiben


Gefühlt, habe ich viele Wochen nichts mehr auf meinen Blog geschrieben. Wenn ich jedoch zurück schaue, sind es gerade einmal 12 Tage. Es ist eben viel passiert in dieser kurzen Zeit. Vieles, was ich euch eigentlich berichten wollte und es doch einfach zeitlich nicht geschafft habe. Es war und ist viel los in Tabgha. Fotos August

Als erstes sind unsere Nachfolger eingetroffen. Anna, Vinzenz, Thomas und Lukas machen einen sehr guten Eindruck. Sie gehe mit viel Motivation an die neuen Aufgaben ran. Genau das braucht es hier in Tabgha. Für sie wird es nun ein spannendes und ereignisreiches Jahr und sie stehen genau an der Stelle, an der ich vor einem Jahr gestanden habe. Gemeinsam haben wir die Dormitio zu Jerusalem an Maria Himmelfahrt besucht, sind an einem Sonntag nach Tiberias gefahren und gehen die gestellten Aufgaben in Tabgha an. Ich als "Alter" muss da die "Neuen" einarbeiten und wichtige Tipps geben.
Für diese ehrenvolle Aufgabe waren eigentlich Johannes und ich auserwählt. Doch plötzlich war der Martin nur noch alleine in Tabgha. Ja, ich bin mittlerweile der letzte Überlebende meiner Generation. Aus dem gemeinsamen Rückflug mit Johannes wurde leider nichts. Er hat Nachricht von seiner Uni bekommen und ist von jetzt auf gleich nach Hause geflogen. Es war für alle ein schneller und unerwarteter Abschied aus Tabgha. Ich kann mir da noch ein wenig mehr Zeit lassen und genieße meine letzten Tage noch. Man merkt einfach, dass die neue Generation Zivis den Laden hier auch ganz gut schmeißen kann und so werde ich dann auch in aller Ruhe fliegen können. Ich hoffe, dass ich als Lehrer gute Arbeit geleistet habe und dass es ein guter Start für die jetzt veränderte, andere Tabgha Familie war.
Als wäre das nicht schon genug Interessantes für den Blog, ist meine Schwester ihrem letzten Kommentar gefolgt und hat mich dieses Wochenende in Tabgha besucht um mir ein paar meines Gepäcks abzunehmen. Schon lustig und verrückt, aber eigentlich kann ich das noch gar nicht so richtig glauben. Da kommt man einfach mal so ein Wochenende vorbei - toller Job. Den will ich auch haben. Auf jeden Fall hat sie am Pool gelegen und sich in der Sonne gebräunt. Am Rücken ist sie schon ganz schön braun/rot geworden... Scheint in Köln eigentlich nicht die Sonne?

@Brigitta: Ne, der Esel ist noch da... in dieser Hinsicht hat sich in Tabgha rein gar nichts verändert. Die Musikanten sind noch die Alten.

Sonntag, 9. August 2009

Kofferpacken I


In den letzten Wochen hat sich das Personalkarussell in Tabgha ordentlich gedreht. Der zweite Mike, Karim und, jetzt am Donnerstag, Thomas sind wieder zurück in ihrer Heimat. Persönlichkeiten verlassen Tabgha. Persönlichkeiten, die diesen Ort geprägt und gestaltet haben. Eine tolle Zeit, mit tollen Menschen geht so dem Ende entgegen. Für uns, die jetzt noch hier sind, heißt es ein bisschen mehr Arbeit, doch es gibt ja bald wieder Verstärkung. Am Dienstag und Mittwoch reisen unsere Nachfolger an. Sie stehen dann an dem Punkt, an dem auch wir vor einem Jahr gestanden haben - Ein Jahr mit neuen Gesichtern und einer neuen Kultur. Wie sehr ich mich noch an diese Momente erinnern kann.
Meine Aufgabe wird es in meiner restlichen Zeit nun sein, die "Neuen" an Tabgha heranzuführen. Besser gesagt: Ich der "Alte" muss die "Neuen" einweisen. Für mich klingt das komisch - Ich der Alte - aber so ist das. Ich werde mich dran gewöhnen und ganz blad kommt dann auch wieder die Zeit, in der ich der "Neue" bin. Ein Wechsel zwischen "Neu" und "Alt", ein Wechsel zwischen Vertrautem und Unbekanntem.
Aber nicht nur das Personalkarussell dreht sich, auch die Zimmer wurde die letzte Woche gewechselt. Damit unsere Nachfolger direkt in die Ziviworld können, haben wir unsere Zelte im Dachgeschoss aufgeschlagen. Ich durfte schon mal meine Koffer packen und stand vor einigen schweren Entscheidungen. Bevor ich dann aber nach Köln abreise, muss wohl noch mehr aussortiert werden. Das Foto zeigt meinen momentanen materiellen Besitz in Tabgha. Passt wohl kaum in den Koffer und zu den 20 Kilo im Flieger.

Montag, 3. August 2009

Man muss auch mal abschreiben...

"Jeder Denkende weiß, daß er immer wieder an Dinge kommt, die ganz einfach, ja banal erscheinen, deren scheinbare Banalität aber nur die Kehrseite ihrer Tiefe und Bedeutungsfülle ist."Romano Guardini

Auf meinen Blog klingt es fast so, als würden wir hier ständig nur Ausflüge machen. Was die freien Wochenenden im Monat betrifft, ist das auch so. Ansonsten ist die Arbeit hier eben auch („nur“) Alltag. Und es ist eine ganz eigene Mischung aus Zusammenleben und Zusammenarbeiten. Wir sind weniger verbunden als eine Familie, aber mehr aufeinander angewiesen als eine bloße WG. Schwierigkeiten einzelner mit- oder untereinander haben schnell Auswirkungen auf das ganze System....

Soll euch auf einen passenden Beitrag von Nicole hinweisen. Hätte ich nicht besser machen können.
http://nicole-in-tabgha.blogspot.com/2009/07/jeder-denkende-wei.html

Einen schönen Abend noch und die liebsten Grüße aus Tabgha,
Martin

Sonntag, 26. Juli 2009

Jetzt fehlt nur noch der Hahn!


Na
das ist doch mal was. Ich bin zwar noch nie in Bremen gewesen, aber ich kann von mir behaupten, dass ich schon mal die Bremer-Stadtmusikanten gesehen habe. Die Sache hat natürlich einen Haken. Ein Tier fehlt und wie ihr der Überschrift entnehmen könnt, ist das nicht der Hund. Eine Katze hatten wir auch schon die ganzen zeit und das neue Tier ist jetzt der Esel.
Seit einigen Tagen schleicht er schon bei uns um das Haus. Isst unser Unkraut weg und bringt die Hunde "manchmal" zum bellen. Behalten wollen wir ihn eigentlich nicht und deswegen hoffen wir, dass er den Weg aus Tabgha wieder findet. Hoffentlich aber nicht auf die Straßen, denn da ist er, das zeigen uns seine Wunden, wohl schon einmal gewesen. Ach ja, was wäre Tabgha nur ohne Tiere, ohne die Menschen die einfach ab und zu mal so vorbei schauen und für ein paar Tage bleiben. Genau wie unser Stadtmusikant. Mal sehen wie lange er noch bleibt...

Freitag, 24. Juli 2009

Ordnung und Sauberkeit (vom Sonntag)

Arabische Gruppen sind toll. Offen, laden einen zum Essen ein, versorgen sich ohne Probleme selber und machen gute Stimmung. Ich mag das, aber auf der anderen Seite ist es doch eine andere Kultur und in gewissen Punkten stößt da die deutsche Mentalität senkrecht auf die arabische. Gerade in Punkto Ordnung und Sauberkeit, gibt es einige Unterschiede. Kommen noch einige Sprachprobleme dazu, dann ist es ganz schwer mit solchen Gruppen umzugehen. Regelmäßig sehen dann einige Stellen neben Bänken, aus wie Aschenbecher oder Chipstüten fliegen über das Gelände. Ähnlich sieht es ja auch nach 19 Uhr in der Jerusalemer Altstadt aus. Da hat man dann das Gefühl, dass der Rosenmontagszug einen Abstecher nach Israel gemacht hat.
In Jerusalem ist am nächsten Morgen alles wieder sauber, wohin der Müll aber gekommen ist, weiß ich nicht. Muss ein großer Berg sein. Das Umweltbewusstsein ist hier ein anderes. Langsam denkt man aber auch hier in der Regierung um. War das Umweltministerium lange ein unbedeutendes Amt, so hat laut Medienberichten ein Umdenken angefangen. Umweltschutz, war ein Luxus, den man sich nicht leisten konnte. Heute sieht man langsam: ohne Totes Meer, keine Touristen mehr - kein Geld.
Vieles ist durch hohen Wasserverbrauch und die unkontrollierte Müllentsorgung schon kaputt gemacht worden, ich hoffe aber, dass man jetzt langsam lernt. Lernt, dass das die Umwelt auch wichtig ist und nicht alles mit sich machen lässt.

P.S: gerade sehe ich, dass eine dunkle, ungesunde Rauchwolke an der jordanischen Grenze aufsteigt.
Gruß, euer Umweltschützer Martin ;)

Samstag, 18. Juli 2009

In Bet She'an

Was macht man an so einem freien Wochenende, wo man doch die letzten Male schon immer nach Jerusalem gefahren ist und sonst nicht weiß, was man machen soll?
Richtig, man fährt nach Bet She'an! Dieses kleine Dorf (16.000 Einwohner) im Jordangraben verfügt über ein Einkaufszentrum, zwei Banken, einen Grenzübergang nach Jordanien, einer Jugendherberge und einer Ausgrabungsstätte. Die letzten beiden Punkte haben mich wohl an diesen Ort verschlagen, alles andere ist eher nicht so Sehenswert, obwohl es da auch einige Geschichten zu erzählen gibt. Bet She'an steht aber vor allem für seine Ausgrabungsstätte. Seit dem 5 Jhd. v.Chr. hat es hier verschiedene Besiedlungen gegeben. Die Römer waren da, byzantinische und arabische Reste hat man gefunden. Selbst die Kreuzfahrer hat es hier hin verschlagen. Im Talmud steht, wenn es ein Paradies gibt, dann ist der Eingang bei Bet She'an. Die Ausgrabungsstätte ist echt sehr schön, vieles ist gut erhalten bzw. rekonstruiert und man bekommt einen Eindruck davon, wie es hier wohl vor ein paar tausend Jahren ausgesehen haben muss.
Was man aber auf keinen Fall vergessen sollte, ist die Sonnenbrille. Wie wichtig sie ist, habe ich bei dem ganzen hellen Stein gemerkt. Mütze hatte ich auch in Tabgha liegen lassen, aber da konnte ich mir noch eine kaufen. Das vergessen der Sonnenbrille war jedoch ein wenig schmerzhaft. Immer wieder brauchte ich eine Schattenpause und als ich nach ca. drei Stunden Tour wieder in die Herberge zurück kam, musste ich erstmal in ein dunkles Zimmer und mir Erholung für die Augen holen.
Warum ich euch das erzähle? Wenn ihr nach Israel kommt, vergesst eure Sonnenbrille nicht, deswegen ;)
Nachmittags habe ich mich dann an den Pool gelegt. Es sind wohl einige amerikanische Jugendgruppen zu besuch. Das sieht man hier übrigens zurzeit häufiger. Amerikanische Juden, die quer durch das Land reise. Eine der Reisegruppen bleibt 5 Tagen, die andere einige Tage länger, aber dafür den weiten Weg auf sich nehmen? Diese Amerikaner haben wohl gute Sponsoren und nicht so viel Zeit. Neulich habe ich mal gehört, dass der Staat Israel durch solche Programme weitere Bürger gewinnen will. Ob es im großen Umfang klappt, habe ich jetzt noch nicht heraus gefunden...

Ah, lese gerade, dass der FC wieder eine Portugiesen verpflichten wird. Maniche - klingt und ich freu mich auf die neue Saison.

Dienstag, 14. Juli 2009

Mein letzter Besuch...

...ist gerade gefahren. Judith und Stephan waren für ein paar Tage in Israel und am Ende auch in Tabgha. Am Anfang habe ich immer gedacht, wenn die Beiden kommen... ach das dauert noch so lange. Jetzt waren sie da! So schnell vergeht eben die Zeit.
Wir hatten hier ein paar schöne Tage. Waren zusammen in Masada und haben dort in einer schönen Jugendherberge übernachtet. Sind durch ein Wadi gewandert und haben uns ins Tote Meer gelegt. Was mich aber am meisten gefreut hat, war das ich ganz einfach mit meinem Bruder mal wieder zusammen Musik gemacht habe. Ganz simpel, nur mit Bass und Gitarre, trotzdem mit einer Menge Spaß. So lernt man im Ausland eben was einem fehlt, und auf der anderen Seite aber auch neue Dinge zu schätzen.
Ein paar stille Minuten pro Tag, der Gottesdienst am Sonntag an Dalmanutha, der geregelte und gleiche Tagesablauf, das mal wirklich frei zu haben und mal nicht noch an tausend weitere Sachen denken - In Tabgha bin ich mehr auf mich konzentriert als in Köln. Nicht immer macht das Alles einfacher und dann würde man sich manchmal wieder etwas mehr von sich ablenken, aber trotzdem wünsche ich mir, dass ich in diesem Jahr gelernt habe, wie ich in Köln ein wenig von dem mitnehmen kann. Wenn man trotz Uni Stress, trotz der vielen Arbeit, trotz 5000 Menschen, immer noch Zeit für sich selber findet, dann hab ich für mich Tabgha gefunden.
In diesem Sinne wünsche ich Allen einen guten Start in die Sommerferien bzw. noch schöne Sommerferien.

weitere Fotos

Mittwoch, 1. Juli 2009

45 Grad

Ja genau, so warm war es heute. Selbst ich musste heute ein wenig schnaufen. Hatte wohl heute Morgen zu wenig Wasser getrunken und dann fiel mir das Arbeiten um so schwerer. Obwohl ich mich schon ein wenig an die höheren Temperaturen und die andere Luftfeuchte gewöhnte hatte, konnte ich dann eben nach vollbrachter Arbeit nichts anderes machen, als zum See zu laufen und mit Johannes surfen zu gehen.
Also eigentlich habe ich ja einen Surfkurs gemacht (Dank an Herr Krutmann und Herr Burbach - Grüße), selbst der passenden Führerschein ist in meinem Portmonee, aber irgendwie hat das hier nicht so gut geklappt. Kaum hatte ich das Segel fest in der Hand und stand auf dem Brett, kam die nächste Windböe oder habe ich das Gleichgewicht verloren und ich war wieder im Wasser. Am Ende habe ich es mal geschafft drei Meter zu fahren. Ein Ergebnis auf dem ich aufbauen kann. Habe mir vorgenommen die nächsten Wochen mal häufiger zu fahren. Vielleicht schaff ich dann mal zehn Meter...
Erkenntnis des Tages: Was ich in der Schule mal gelernt habe, kann ich heute in Israel wohl nicht mehr (beim Surfen) ;)

P.S: Also das Bild ist nicht aus Israel...wenn es wen wundert, wie relaxt ich da aussehe.

Montag, 29. Juni 2009

Abschied die Erste

Gestern war es nun leider soweit. Mike Patrick hat als erster unsere Tabgha-Familie zurück in die USA verlassen. Fast ein Jahr haben wir hier in unserer großen Gruppe zusammen gearbeitet und unsere Freizeit verbracht. Ein Jahr, das jetzt irgendwie wieder viel zu kurz zu sein scheint.
Über jede Begegnung, die ich in diesem Land machen darf, bin ich glücklich. Es sind neue Erfahrungen und neue Weltansichten. Ja, man wächst mit den Personen die man trifft. Jede prägt einen und von jeder lernt man auf die eigene Art und Weise.
In den nächsten Wochen und Monaten werden immer wieder Freunde abreisen, bis ich dann am Ende als einer der letzten hier das (zum Glück nicht sinkende) Schiff verlasse. Sicherlich freut sich jeder auch auf die Zeit nach dem Zivildienst, aber man lässt etwas zurück, was man lieben und schätzen gelernt hat.
So viel will ich aber jetzt gar nicht vom Abschied schreiben. Bin ja schließlich noch zwei Monate hier.

@Mike: I'm looking forward to see you in Germany or the states. Hope you will visit us. You are always welcome - You only have to DO IT ;) Thanks for everything!

Montag, 22. Juni 2009

Jerusalem II

Hallo zusammen,

zum zweiten Mal bin ich diesen Monat nach Jerusalem gekommen. Dank neuer und genauer Arbeitseinteilung an Wochenenden, hatte ich nun mal wieder frei.
Nachdem Nicole und ich am Freitag nur auf einer Dachterrasse mit tollem Blick über Jerusalem gechillt haben, ging es Samstagmorgen richtig los. Chorkonzert in der Dormitio Abtei. Begleitet von unserem neuen Prior Ralph hat ein Chor aus Österreich verschieden Stücke gesungen. Da ich ja normalerweise nicht so der aktive Klassikhörer bin und das Programmheft auf hebräisch geschrieben war, habe ich die Namen jetzt vergessen. Trotzdem war es ein toller Start in das Wochenende und zum entspannen nur das Richtige. Hinzukommt, dass ich die Akkustik der Kirche einfach nur lieben gelernt habe. Auch die Stundengebete der Mönche sind toll anzuhören.
Am Nachmittag sind wir dann nach Ramallah. Eine Stadt die ganz verschiedene Gesichter hat und diese innerhalb von wenigen Minuten zeigen kann. Kaum sind wir aus dem Bus raus, befanden wir uns im Trubel. Am Manarah Square, dem Mittelpunkt der Stadt, befindet sich ein etwas größerer Kreisverkehr. Menschen laufen kreuz und quer über die Straßen, Autos fahren wie sie wollen und die eingesetzten Polizisten haben wenige Chancen die Kontrolle über das Chaos zu bekommen. Ein Ort, an dem ich nicht freiwillig länger bleiben wollte und so ging es dann erstmal Richtung Altstadt. Hier zeigte sich ein anderes Bild. Ruhige Gassen, kaum Trubel, alte Gebäude - ja das Ganze hatte teilweise italienischen, romantischen Charakter. Paar Minuten später haben fanden wir uns dann jedoch in einer Parkanlage im Stile der 60er Jahre wieder. Neben uns arabische Frauen, die von weitem ihren Kindern beim Spielen zu schauten und auf der anderen Seite ein Brautpaar, das gerade dabei war, die typischen Szenen eines Hochzeitsfilm nachzuspielen. Wieder ein paar Minuten später waren wir dann im Edelviertel. Schicke, große Häuser und eine sehr schöne Allee war zu sehen. Später schaute ich dann genauer auf die Uhr und siehe da, zwei Minuten später und eine Straßenecke weiter, waren wir wieder an unserem Ausgangspunkt angekommen, dem großen Kreisel.
Was ich dann am Sonntag gemacht habe, hat mein halbes Kultur Wochenende abgerundet. Bin mit dem Bus in die Haddassah Klinik gefahren und habe mir dort in der Synagoge die berühmten Chagall-Fenster angeguckt. Der Weg dorthin war zwar etwas kompliziert, weil einige Sicherheitsleute nicht wussten, dass es so ein Fenster gibt, zum Ausgleich habe ich dann aber eine sehr nette Freiwillige bei den Fenstern angetroffen. Die gute Dame hat mich komischerweise auf Deutsch angesprochen und siehe da, sie ist in Köln groß geworden. Lange Zeit lebte sie auch in Bonn bevor sie dann vor 40 Jahren nach Israel kam. War schon lustig in dieser Klinik über Ehrenfeld und Köln zu sprechen. Im Endeffekt gab es dann sogar noch einen Bonus für mich. Musste keinen Eintritt bezahlen und habe exklusiv die Deutsche Führung auf Band zu hören bekommen. Am Ende war ich dann eine Stunde in der Synagoge und habe mir ganz genau die Fenster mit ihren tollen Farben angeguckt. Chagall war ein Meister ;)
Das war also mein Wochenende, ein kulturelles bei dem ich am Ende in Köln gelandet bin. Besser gesagt im schönen Köln Ehrenfeld. Jetzt hoffe ich, dass es euch noch allen gut geht und ihr die ersten richtig warmen Sonnenstrahlen genießt. Genug geschrieben...

Grüße nach Köln, euer

Martin

Donnerstag, 11. Juni 2009

Altlast

Ende März wollte ich euch mal die Frage beantworten, warum man in Israel immer das Gefühl hat zu hohe Preise zu zahlen. Verspätet kommt jetzt meine Antwort, denn ich musste erst von meiner Tante daran erinnert werden.
Generell ist es so, dass es so was wie feste Preise (besonders Taxipreise) nicht gibt. Besonders in arabischen Geschäften auf dem Suk, scheint es üblich keine Preisschilder oder sonstige Information zu geben. Da werden die Preise dann einfach nach Herkunftsland bestimmt. Typisch Arabisch eben. Folglich wird gehandelt und gefeilscht bis beide Seiten einigermaßen zufrieden sind (oder auch nicht). Für mich als Deutscher eine ungewohnte Sache, aber man gewöhnt sich mit der Zeit dran. Die Preise, die am Ende dann rausspringen sind für unsere Verhältnisse eigentlich relativ günstig, dennoch hat man immer das Gefühl mehr zu bezahlen als sonst. Karim, unser neuer Volo, hat das Ganze mal mit seinem einheimischen Cousin getestet. Er fragte auf Englisch nach dem Preis und ein paar Minuten später ist sein Cousin rein und hat das ganze Geschäft auf arabisch abgewickelt. Ihr könnt euch ja denken, wer hier deutlich weniger bezahlt hat.

Ansonsten war ich jetzt letztes Wochenende mal wieder in Jerusalem. Mit Mike habe ich mir das Herodeion (Grab des Herodes) bei Bethlehem angeguckt und sind ein bisschen durch Jerusalem gelaufen. Eben irgendwie schon der normale Alltag, obwohl es so eine besondere Stadt ist. Hier in Tabgha ist weniger Alltag, bzw. definiert sich der Alltag zur zeit neu. Zum einen wird stark an der Baustelle gearbeitet, zum anderen haben wir jetzt wieder volles Programm auf der Begegnungsstätte. Letzte Wochen hatten wir so eine Gruppe mit blinden Kindern zu Besuch. Eine tolle Erfahrung... wenn ich Zeit habe, dann schreib ich da heute Abend noch mehr zu.
Liebe Grüße aus dem sonnigen Tabgha an euch alle, euer

Martin

P.S: Das Bild entstand übrigens letzte Woche. Habe zufällig diese Gruppe indischer Marinesoldaten in unserem Shop getroffen. Nach kurzem Gespräch wollten die ein Foto von mir haben. Ich wollte auch eins...

Donnerstag, 28. Mai 2009

Der Papst...

...war da und ich habe es auf meinem Blog noch nicht einmal erwähnt. Naja, liegt vielleicht dran, dass ich recht wenig mit der ganzen Sache zu tun hatte. Zum einen lag das daran, dass zu diesem Zeitraum meine Verwandten zu Besuch waren, zum anderen habe ich aber auch gemerkt, dass ich das irgendwie nicht brauchte.
Polizeiabsperrungen, lange Wartezeiten für die Gläubigen und kaum richtige Informationen. Ich hatte das Gefühl, dass der Besuch auf eine andere Art und Weise von beiden Seiten benutzt wurde. So brauchte Israel wieder gute Schlagzeilen. Nachdem das Land ab Dezember und dem Gazakrieg weltweit nur negative aufgefallen war, mussten nun die besseren headlines her. Da sollte natürlich nichts schief gehen - Dies hatte die bekannten hohen Sicherheitsstandards zur Folge. Auf der anderen Seite wollten die Palästinenser natürlich einen Papst, der sich für sie einsetzt, der sich für die Zwei-Staaten-Lösung ausspricht. Aufgefallen sind mir hier die großen Plakate mit Papst und Abbas. Sie zeigen, wie sehr man sich den Papst auf der eigenen Seite wünscht, wie sehr man auf seine Hilfe hofft.
Viel Politik war also insgesamt mit im Spiel. Viel Politik, die einen großen Teil der Gründe für den Besuch in den Schatten gestellt haben: Die Christen im heiligen Land! Für unsere aus Nazareth stammende Verkäuferin, war es das Größte überhaupt, dass der Papst in ihre Heimatstadt kommt. Man freute sich, bereitete alles vor, schmückte die Straßen und dann kursierten Gerüchte, dass man am Tag vorher schon am Messplatz sein müsste, weil die Sicherheitskräfte zu einem bestimmten Zeitpunkt den Platz schließen. Mir hat es leider ein wenig die Freude genommen und trotzdem freue ich mich für die Christen im Land, dass der Papst auch zu ihnen gekommen ist und mit ihnen gebetet hat...

Mittwoch, 27. Mai 2009

Der erste Spatenstich

Heute war es endlich soweit. Alles was in Tabgha Rang und Namen hat, war versammelt um gemeinsam den ersten Spatenstich für das neue Kloster zu stechen. Aufregenden Sache, jetzt geht es also wirklich los. Der Bauzaun wird im Moment errichtet und während ich so vor meinem Computer sitze, höre ich meine Klimaanlage und vor der Tür den Bagger fahren...

Donnerstag, 21. Mai 2009

21

In diesem Blogeintrag soll sich mal alles um die Zahl 21 drehen. In den letzten tagen ist sie mir öffters begegnet - nicht im Bezug auf Israel, sondern im Bezug auf mich.

21 Jahre werde ich in drei Monaten. 2x Geburtstag in Tabhga. Lässt mich zwei Jahre hier bleiben. Einige Tage später werde ich meine Heimreise antreten. Die Zeit vergeht wie im Fluge...

Am 21.5.09 habe ich seit einigen Monaten hier wieder einen neuen Witz gehört. Wenn man lange mit den gleichen Personen zusammen lebt, dann wiederholen sich manche Dinge eben immer. Wie sagt Mike immer gerne dazu: "Jokes never get old!" Recht hat er... - sorry Jungs, das musste einfach rein ;)

21 Mückenstiche habe ich an meinem rechten Bein. Zurzeit ist das in Tabgha echt schlimm, aber wir haben ja alle damit zu kämpfen. Es ist warm - noch nicht zu warm - und wir leben hier immer noch am See. Das zieht Mücken magisch an.

Mehr ist mir zur Zahl 21 nicht eingefallen, dennoch hat sie mir einen Grund geliefert noch mal etwas auf den Blog zu schreiben. Habe jetzt am Wochenende frei und werde trotzdem so einiges zum Arbeiten haben. Letzte Wochen waren meine Eltern mit Tante, Onkel und Bruder da. Wir haben ein paar gemeinsame Ausflüge im Norden von Israel gemacht. Haifa, Akko, Safed... Von Akko, einer Kreuzfahrerstadt am Mittelmeer, war ich ehrlich gesagt etwas enttäuscht. Ich hatte mir eine idyllische, alte Stadt vorgestellt. Das der Platz, der in jedem Reiseführer angepriesen ist, war gesperrt und mit Unkraut bewachsen - das sagt einiges. Dafür hat mir dann die jüdische Stadt Safed besser gefallen. In kleinen Gassen reihen sich hier Künstlerläden aneinander. Wenn gutes Wetter ist, hat meinen einen schönen Blick über Galiläa. Eine Stadt die zum verweilen einlädt...

Sonntag, 10. Mai 2009

Klosterneubau


Seit einigen Tagen ist es soweit. Der Klosterneubau und die Arbeiten, die damit zusammen hängen, sind im vollen Gange. In den nächsten und letzten Tagen wird/wurde alles für die Abrissarbeiten des alten Gästehauses vorbereitet. Konkret hieß das, dass Tabgha einen neuen Stadtteil bekommen hat. Fertige Wohncontainer, die die alten Gästezimmer, die Laundry und die Werkstatt ersetzen sollen, flogen durch die Luft und nun wird nur noch die Infrastruktur aufgebaut. Dann rollen auch irgendwann die Bagger an, direkt vor meinem Fenster fangen dann die Arbeiten an und es werden wohl vermehrt Ohropax nötig. Mal sehen wie sehr das meinen Schlaf beeinflusst.
Auf der anderen Seite ist man froh, dass die Arbeiten jetzt endlich los gehen. Lange wurde alles vorbereitet, einige Probleme sind aufgetaucht und oft wurden viele Gedanken für den Bau verbraucht. Jetzt geht es los und ich freue mich schon, auf den ersten Spatenstich.
Wenn ich dann in einigen Jahren wieder nach Tabgha komme wird alles anders aussehen als jetzt. Auch das ist eben Tabgha, ein Ort der Veränderung. Vor einigen Tagen haben wir einen neuen Mitarbeiter aus Hannover bekommen - Karim hat gerade seinen Zivildienst beendet und bleibt noch für drei Monate bei uns. Eben ein Ort an dem immer etwas los ist und Veränderung auf dem Tagesprogramm steht.

Mittwoch, 29. April 2009

Yam Yam - einmal quer durch Israel


Genau das hatten wir uns für dieses Wochenende vorgenommen. Gemeinsam mit Mike, Nicole und Johannes zog ich also los, um vom einen Meer (Mittelmeer) zum anderen Meer (Sea of Galilee) zu laufen. Eine Yam-Yam Tour eben. Geschlafen haben wir am Strand, auf der freien Wiese oder an einem einsamen Parkplatz. Gegessen wurden Nudeln und Pita. Gelaufen wurde von 8 Uhr bis Sonnenuntergang. Die Route führte uns durch verschiedene Wadis, an Burgen und Wasserfällen vorbei und hat uns manchmal mehr überrascht als gedacht. So gab es nach hartem Anstieg plötzlich einen wunderbaren Ausblick oder, versteckt hinter Sträuchern und Bäumen, kleine Pools, die man dann auch gerne zur Abkühlung genutzt hat.
3-Wandertage haben wir insgesamt gebraucht und am Ende kann ich sagen, dass ich es zwar geschafft habe, aber meine Schultern, meine Hüfte und meine Füße noch ein wenig Erholung brauchen. Eine wunderbare Tour war es trotzdem, die uns die Natur des Landes nahe gebracht hat und uns einmal quer durch Israel geführt hat... so und jetzt schaut euch einfach die Bilder an.

(Wenn es Fragen gibt, einfach posten ;)

Dienstag, 21. April 2009

Pänz sin all vun einem Herrgott....


Kinder haben doch alle etwas gemeinsam. Schaut man ins Kila nach Deutschland, in die Palästinensergebiete oder an den Strand von Tel Aviv. Alle haben sie noch Spaß am Leben, sind ohne Zwang und genießen ihre freie Zeit in der Sonne.
Im Moment haben wir eine Gruppe aus Bethlehem auf dem Gelände zu Gast. Traumatisierte Kinder und Jugendliche, die Kriegssituationen oder den Verlust von Angehörigen miterlebt haben, können sich bei uns von ihrem Alltag erholen. Natürlich war der Pool eine halbe Stunden nach Eintreffen schon so gut besucht wie noch nie, und deshalb haben wir Zivis es uns natürlich auch nicht nehmen lassen die ein oder andere Wasserschlacht anzufangen.
Genau wie im Kila wurde der Ball hin und her geworfen, auf unsere Schultern gesprungen und eine Menge Quatsch mit dem Wasser gemacht. Kinder sind eben doch überall auf der Welt gleich. Europa, Asien, Afrika, Australien und Amerika. Für unsere Gäste ist der Pool immer ein besonderes Erlebnis, da es gerade in Bethlehem oder der Westbank nicht so gute Möglichkeiten gibt, im Wasser zu spielen.

Sonntag, 19. April 2009

Ich und der FC...

...haben eine ganz neue Beziehung aufgebaut.
War ich doch vor meinem Israelaufenthalt kaum am Fußball in Kölle interessiert, so hat sich das jetzt in das Gegenteil gekehrt. Jeden Samstagabend sitzt die Tabgha-Crew um Punkt 19.30 Uhr vor dem Fernsehen und schaut die Bundesliga an. Fazit: Die Hinrunde hat mir als Kölner besonders viel Spaß gemacht. Man hat die "Großen" ab und zu mal ärgern können und am Ende sprang noch ein guter Tabellenplatz raus.
Was aber jetzt passiert, und das ist glaub ich auch der Grund, weshalb ich hier über dieses Thema schreibe, ist Samstagabend nicht mehr schön anzuschauen. An dem Spiel gestern habe ich keinen gefallen gefunden. Da hat der FC ja nichts Gutes auf die Beine stellen können. Erinnerte mich ein wenig an den "alten", nicht den FC der Hinrunde...
Ach was schreib ich denn über Fußball, es gibt wichtigere Dinge aus Israel zu berichten, wobei das auch ein Teil meiner wöchentlichen Beschäftigung ist, Samstag 19.30 Uhr ist Sportschau ;). Neben dem Gottesdienst und den Arbeitszeiten eine konstante im Leben. Jaja, Fußball, Kirche und Arbeit - nächsten Samstag wieder, hoffentlich mit einem besseren Ergebnis.