Dienstag, 13. Januar 2009

General Cleaning

Was es heißt, im Januar Zivi in Tabgha zu sein, darf man gerade im Moment erfahren. Kaum ist die Weihnachtszeit vorbei, sind die Christbäume abgebaut und ist der Adventskranz vom Tisch, da beginnt rund um unser Gästehaus, das Beit Noah, die Arbeit. Plötzlich erwacht man aus dem Winterschlaf und das General Cleaning beginnt. Auf gut Deutsch heißt das: "Putzen bis der Arzt kommt." (Anm.d.Red: Der Arzt, mein Vater, war zwar schon da, aber das zählt in diesem Moment nicht.)
Was das Ganze dann genau heißt, erfährt man an gut ausgearbeiteten Qm-Listen (QualtitätsManagment). Da stehen für einen Raum mal gut und gerne 25 Punkte an. Alles muss abgearbeitet werden. Eine Arbeit, die ich bis jetzt noch ganz lustig fand. So durfte ich am Samstag mit einem Radiergummi Spuren von Schuhe entfernen. Nach 3 Stunden eintöniger Arbeit und kaputten Fingern, fragt man sich komischerweise wie überhaupt solch ein "Radiergummi" funktioniert und was das Besondere eines solchen Gerätes ist. (Die passende Antwort gibt es übrigens hier.)
Gestern wurde dann jede einzelne Fliese mit dem stärksten Putzmittel Israels geputzt und heute haben die Schränke wieder ihren richtigen Platz gefunden. Die anderen Jungs durften währenddessen die Küche auseinander nehmen, total verschmutzte Töpfe putzten und Lüftungsschächte vom Dreck befreien. Ja, das Haus wird hier von Grund auf gereinigt. Fertig sind wir noch lange nicht. Das dauert wohl noch ein wenig, aber wir machen eine Arbeit die einmal im Jahr sinnvoll ist und sich gerade im Winter, wo es Draußen regenreicher und viel kälter sein sollte, anbietet.
Drei Wochen wird es hier erstmal so weitergehen. Es wird geputzt, geputzt und geputzt. Doch eine kleine Pause gönnt man sich noch. Wir fünf Tabgha Arbeiter haben das erste Mal richtig Urlaub. Am Sonntag geht es eine Woche nach Jordanien. Petra soll eine wunderbare, alte Stadt sein und ich freue mich schon, diese mal live zu sehen. Genauere Berichte später, doch bis dahin heißt es erstmal noch: "Putzen, Putzen, Putzen..."

Einige Fotos vom GC, dem Besuch meiner Eltern und vom Sternsingen gibt es hier...Weitere folgen noch.

Montag, 5. Januar 2009

Silvester

Hallo zusammen,

auch ich möchte euch auf diesem Wege noch ein gutes neues Jahr wünschen. Ich hoffe ihr habt alle gut reingefeiert und seid perfekt im neuen Jahr angekommen.
Mein Rutsch war dieses Jahr wieder alles andere als normal. Aber was ist eben schon normal, wenn man seinen Zivildienst im Ausland macht. Nichts... also berichte ich mal von dem, was dieses Jahr anders war.
Bis 23.30 Uhr gab es keine große Feier oder Party. Jeder hat hier auf seine Art und Weise die Zeit totgeschlagen.
Ich habe ehrlich gesagt geschlafen. Die Weihnachtstage waren anstrengend und irgendwie musste ich mich dann mal ins Bett legen. Zum Glück, riefen um kurz vor elf noch meine Eltern an, ansonsten hätte ich wohl alles verpennt. Punkt 23.30 Uhr ging es dann mit einem Gottesdienst los. Leider, oder zum Glück, hatte ich meine Uhr vergessen, so dass mein persönlicher Countdown ins Wasser fiel. Also irgendwo zwischen Predigt und Fürbitten muss ich wohl ins neue Jahr gestartet sein. Das erste Mal, dass ich das nicht so genau festlegen kann.
Gegen eins erfuhr ich ein erstes Mal eine Uhrzeit. Die Messe war zu Ende und jedem wurde ein frohes neues Jahr gewünscht. So wie man das eben kennt. Sekt gab es auch, nur das Feuerwerk war zwar geplant, ist aber auf Grund der aktuellen Situation ausgefallen. Gefehlt hat es mir ehrlich gesagt nicht. Weiter ging es danach mit einer kleinen Party auf der Begegnungsstätte. Brüder, Studenten und wir Zivis feierten hier noch kurz oder auch länger. Bei Musik wurde getanzt und im kleinen Kreis auf das neue Jahr angestoßen. Es war eine schöne kleine Feier, ohne viel Vorbereitung oder Umtata. Alles fast ganz spontan.
Insgesamt war es, wie man liesst, ein ruhiger Start ins Jahr, bei dem ich noch nicht mal so genau sagen kann, wann es wirklich angefangen hat. Gefallen hat es mir trotzdem. Die ruhige Art, mal das besinnliche Rutschen, ist klasse und kann ich nur jedem empfehlen. Ich würde jetzt nicht sagen, dass die ganzen Feiern mit Fondue (da freue ich mich nächstes Jahr wieder drauf) zu Hause schlechter sind, aber es war dieses Jahr etwas Besonderes. Beides hat so seine Vorteile und ich bin froh, auch mal auf diese Weise in ein Jahr gekommen zu sein...
Möge es ein friedliches Jahr für uns alle werden.

Montag, 29. Dezember 2008

Zur aktuellen Lage

Seit einigen Tagen ist es schon Gesprächsthema und auch die Weihnachtstage waren nicht unberührt davon: Die israelische Armee hat den Gazastreifen angegriffen.

Unerwartet kam das Ganze für uns nicht. Schon vorher hatte sich der Angriff bei uns irgendwie angekündigt. Geschockt waren wir trotzdem. Auf der einen Seite scheint der Krieg in den Medien so nah, es ist Israel und ich bin nun mal auch in Israel, doch auf der anderen Seite merke ich in Tabgha keine Veränderung. Alles scheint so weit weg zu sein. Weniger real, wie wenn man in Deutschland die Nachrichten schaut, und doch ist es irgendwie näher. Wir alle wissen noch nicht, was in den nächsten Wochen auf uns zu kommt. Ich jedenfalls fühle mich in Tabgha sicher.

Heute haben wir in der Vesper für den Frieden gebetet. Ein mit Kerzen geschriebenes PAX wurde aufgebaut. Hoffen wir, dass der Friede im neuen Jahr in diese Region zurückkehrt.

Sonntag, 28. Dezember 2008

Weihnachten

Beten - Schlafen - Essen

so sah es die Tage hier aus. Dreigeteiltes Programm. Wenn mich nicht die Eigenschaft begleiten würde, dass ich essen kann, was ich will, dann wäre ich jetzt so rund wie die Kugeln am Weihnachtsbaum. Auch die Brüder lassen es sich hier an Weihnachten eben richtig gut gehen. Die Tage wird auch groß gefeiert und doch sind die Schwerpunkte anders gelegt. Geschenke gab es kaum, viel wurde für das leibliche Wohl gesorgt und täglich gab es mehrere Gebetszeiten. Es war schön mal ein anderes Weihnachten zu erleben. Ohne Geschenkstress und ohne großes Umtata. Mal ganz in Ruhe und besinnlich. Auf das Wesentliche konzentriert. Ich habe es auf der einen Seite genossen...
Auf der anderen Seite muss ich aber auch sagen, irgendwie war es dieses Jahr ein wenig komisch hier Weihnachten zu feiern. Mein Bild im Kopf von weißer, kalter Weihnacht dahin. Erst wenn es dunkel wurde kam Weihnachtstimmung auf. Erst wenn die Kerzen leuchteten, wurde es besinnlich. Irgendetwas passte trotzdem nicht. Am nächsten Morgen war die Sonne halt wieder da und von richtiger Kälte auch keine Spur. Zum Glück gab es am 24ten einen starken Regen, so dass sich die äußeren Verhältnisse doch ein wenig anpassten.

Was gehörte alles zum Weihnachtsfest dazu? einige Highlights:

Das gemeinsame Weihnachtsbaumschmücken - Insgesamt waren es 12 Bäume die irgendwo untergebracht werden mussten, viele Ketten und am Anfang ein großes Durcheinander. Wir haben es aber trotzdem sehr schön hinbekommen. (siehe Fotos)
Truthahnessen - sehr fein von unseren Amerikanern, Ibrahim (unserem Koch) und Marie-Luise am heiligen Abend zubereitet.
Christmette bei Kerzenschein - eine tolle Atmosphäre. Fast die Hälfte der Kirche war voll mit Juden und Muslime. Die Messe ist ein Event, nicht nur für die Christen. Einige Stunden vorher wollte man sogar Karten kaufen.
Weihnachtsausflug mit der ganzen Tabgha Familie - es ging nach Rosh Hanikra, direkt an die libanesische Grenze, weiße Kreidefelsen gucken und in das galiläische Bethlehem.
Eine Weihnachtsfeier bei den philippinischen Schwestern - was die sich immer ausdenken ist Wahnsinn. Es wurde gewichtelt, DSDS mit Weihnachtsliedern gespielt und am Ende mal wieder getanzt. So ist das eben, wenn man bei Schwestern eingeladen ist.

Weihnachten mal anders... - Fotos gibt es hier

Mittwoch, 24. Dezember 2008

Frohe Weihnachten!




















"In dieser Nacht wird die Stille der Grotte lauter sein als die Stimme der Kanonen und Maschinengewehre. Die Stille der Grotte gibt denen Leben, deren Stimme von Tränen erstickt wurde und die Zuflucht suchten in Stille und Machtlosigkeit"

Patriarch Fouad Twal in der Heiligen Nacht 2008 in Bethlehem

Montag, 22. Dezember 2008

Ich sehe Deutschland

Viel habe ich schon über die Vielseitigkeit dieses Landes gesprochen, doch noch nie wurde es mir so bewusst wie in den letzten Tagen. Im Winter, wenn es hier etwas geregnet hat, werden die Felder grün, das Gras wächst aus jeder Ecke und die Bevölkerung zieht sich warm an. Als wir letzte Woche im anderen Bethlehem (liegt nahe Haifa) Tannenbäume gekauft haben, kam ich mir vor wie in der Eifel. Wir liefen durch den angelegten "Tannenwald" und haben unsere Bäume gesucht. Hinter uns der Mann mit der Säge - warm angezogen, mit dicker Mütze und Handschuhen. Da war er dann plötzlich da, dieser Moment: Bin ich wirklich in Israel oder ist es doch die Eifel.
Wiederum fällt es einem auf, wenn man am See sitzt. Bei schlechtem Wetter erinnert er doch stark an den Ruhrsee oder den Gardasee. Fährt man aus dem Jordantal heraus und schaut nach Rechts oder Links, sieht man plötzlich das Bergische Land. Sitzt man vor dem Kloster auf der Terrasse und schaut in die Bäume, sieht man sich auf einmal bei einer Gartenparty von einen Freund.
Alles Momente bei denen es "Klick" macht und wo man denkt; "hey das kenne ich doch irgendwo her". Wo mir sin is eben Kölle!! Wobei ich den Dom noch nicht gesehen habe...

Mittwoch, 17. Dezember 2008

Tierfans aufgepasst!!

Häufig werde ich gefragt, wie es denn dem kleinen Kater hier geht. Anlass für mich mal alle Tiere in Tabgha zu Wort kommen zu lassen. (Achtung langer Beitrag!!)
Hier mal eine kleine Übersicht über die etwas anderen Mitbewohner:

Also das hier ist Garfield. Er wohnt bei uns in der Ziviworld und ist ungefähr 3 1/2 Monate alt. Gefunden haben wir ihn in der Orgel. Jetzt läuft er voller Freude durch die Ziviworld und spielt mit jedem Papier, Lappen, Stift den er auf dem Boden finden kann. Am liebsten ist Garfield übrigens meinen Kirschjoghurt. Ein richtiger Feinschmecker also. Wenn er mal nicht durch die Gegend läuft oder Joghurt isst, dann liegt Garfield am liebsten auf dem Sofa oder hinter/vor meinem Laptop...

Das ist Ayla. Husky, trotz Luxusessen ziemlich dünn. Sie ist sechsfache Mutter und wurde vor ungefähr anderthalb Jahren von unseren Altzivis gekauft. Bei den Hunden hat "noch" sie das Ruder in der Hand. Deswegen wird sie von uns auch die Prinzessin genannt. Ihr Gang, ihre manchmal zickige Art... alles passt dazu.

Das hier ist die andere Mutter: Frau Reuter. Auch sie ist seit ungefähr einem Jahr bei uns. Sie ist von Capernaum mit Altzivi Christian nach der Ostermesse zu uns gelaufen. Hat ihr wohl gut bei uns gefallen. Sie ist geblieben und siehe da, jetzt hat sie uns 11 kleine Hundewelpen geschenkt. Deswegen waren wir letzte Woche mit ihr beim Arzt. Jetzt liegt sie leicht angeschlagen vor der Ziviworld angeleint, auch sie wird bald wieder frei laufen können...

So als nächstes kommt der letzte ausgewachsene Haushund. Das ist George. Der einzige Mann im Stall und unser Liebling. Er kam glaub ich Anfang September einfach so zu uns. Am Anfang habe ich ihn gehasst. Lief er einem doch immer nach und ging dabei tierisch auf die Nerven. Ins Herz haben wir ihn dann alle geschlossen, als wir im See schwimmen waren und er uns, obwohl er nicht schwimmen konnte, nachgepaddelt ist. Jetzt ist er einfach nur noch der coolste, schönste und beste Hund den ich kenne. Er mag ganz gerne Schuhe...;)

Dann gibt es auf dem Gelände noch zwei Gehege. Hier fliegen dann verschiedene Vögel herum und auf dem Boden wimmelt es nur so von Nagern... Kaninchen, Meerschweinchen und sogar Wachteln. Die genau Zahl kann man nur schätzen, aber was man sicher weiß, ist dass es fast jeden Monat nachwuchs gibt.

So am Ende möchte ich noch zum jüngsten Nachwuchs kommen. Wie oben schon erwähnt, haben unsere beiden Hunde Damen Nachwuchs bekommen. Bei Ayla waren es sechs und gerade bei Frau Reuter haben wir elf kleine Welpen. Sehr süß die Kleinen, aber leider werden wir sie nicht behalten können. Auch für das Landkloster Tabgha sind es irgendwann genug Tiere...

Beinahe hätte ich noch einen vergessen. Jack sieht aus wie Garfield und wohnt oben bei den beiden Amerikanern. Seine Geschichte liest sich ähnlich wie die von Garfield. Er wurde als kleines Jungchen gefunden und dann mit der Flasche großgezogen. Letzte Woche hatte auch er eine schwere Operation, fit ist schon jetzt wieder... er kratzt, ist verspielt - die meiste Zeit aber schläft er. Was ein schönes Leben muss eine Katze haben ;)