Donnerstag, 11. Juni 2009

Altlast

Ende März wollte ich euch mal die Frage beantworten, warum man in Israel immer das Gefühl hat zu hohe Preise zu zahlen. Verspätet kommt jetzt meine Antwort, denn ich musste erst von meiner Tante daran erinnert werden.
Generell ist es so, dass es so was wie feste Preise (besonders Taxipreise) nicht gibt. Besonders in arabischen Geschäften auf dem Suk, scheint es üblich keine Preisschilder oder sonstige Information zu geben. Da werden die Preise dann einfach nach Herkunftsland bestimmt. Typisch Arabisch eben. Folglich wird gehandelt und gefeilscht bis beide Seiten einigermaßen zufrieden sind (oder auch nicht). Für mich als Deutscher eine ungewohnte Sache, aber man gewöhnt sich mit der Zeit dran. Die Preise, die am Ende dann rausspringen sind für unsere Verhältnisse eigentlich relativ günstig, dennoch hat man immer das Gefühl mehr zu bezahlen als sonst. Karim, unser neuer Volo, hat das Ganze mal mit seinem einheimischen Cousin getestet. Er fragte auf Englisch nach dem Preis und ein paar Minuten später ist sein Cousin rein und hat das ganze Geschäft auf arabisch abgewickelt. Ihr könnt euch ja denken, wer hier deutlich weniger bezahlt hat.

Ansonsten war ich jetzt letztes Wochenende mal wieder in Jerusalem. Mit Mike habe ich mir das Herodeion (Grab des Herodes) bei Bethlehem angeguckt und sind ein bisschen durch Jerusalem gelaufen. Eben irgendwie schon der normale Alltag, obwohl es so eine besondere Stadt ist. Hier in Tabgha ist weniger Alltag, bzw. definiert sich der Alltag zur zeit neu. Zum einen wird stark an der Baustelle gearbeitet, zum anderen haben wir jetzt wieder volles Programm auf der Begegnungsstätte. Letzte Wochen hatten wir so eine Gruppe mit blinden Kindern zu Besuch. Eine tolle Erfahrung... wenn ich Zeit habe, dann schreib ich da heute Abend noch mehr zu.
Liebe Grüße aus dem sonnigen Tabgha an euch alle, euer

Martin

P.S: Das Bild entstand übrigens letzte Woche. Habe zufällig diese Gruppe indischer Marinesoldaten in unserem Shop getroffen. Nach kurzem Gespräch wollten die ein Foto von mir haben. Ich wollte auch eins...

Donnerstag, 28. Mai 2009

Der Papst...

...war da und ich habe es auf meinem Blog noch nicht einmal erwähnt. Naja, liegt vielleicht dran, dass ich recht wenig mit der ganzen Sache zu tun hatte. Zum einen lag das daran, dass zu diesem Zeitraum meine Verwandten zu Besuch waren, zum anderen habe ich aber auch gemerkt, dass ich das irgendwie nicht brauchte.
Polizeiabsperrungen, lange Wartezeiten für die Gläubigen und kaum richtige Informationen. Ich hatte das Gefühl, dass der Besuch auf eine andere Art und Weise von beiden Seiten benutzt wurde. So brauchte Israel wieder gute Schlagzeilen. Nachdem das Land ab Dezember und dem Gazakrieg weltweit nur negative aufgefallen war, mussten nun die besseren headlines her. Da sollte natürlich nichts schief gehen - Dies hatte die bekannten hohen Sicherheitsstandards zur Folge. Auf der anderen Seite wollten die Palästinenser natürlich einen Papst, der sich für sie einsetzt, der sich für die Zwei-Staaten-Lösung ausspricht. Aufgefallen sind mir hier die großen Plakate mit Papst und Abbas. Sie zeigen, wie sehr man sich den Papst auf der eigenen Seite wünscht, wie sehr man auf seine Hilfe hofft.
Viel Politik war also insgesamt mit im Spiel. Viel Politik, die einen großen Teil der Gründe für den Besuch in den Schatten gestellt haben: Die Christen im heiligen Land! Für unsere aus Nazareth stammende Verkäuferin, war es das Größte überhaupt, dass der Papst in ihre Heimatstadt kommt. Man freute sich, bereitete alles vor, schmückte die Straßen und dann kursierten Gerüchte, dass man am Tag vorher schon am Messplatz sein müsste, weil die Sicherheitskräfte zu einem bestimmten Zeitpunkt den Platz schließen. Mir hat es leider ein wenig die Freude genommen und trotzdem freue ich mich für die Christen im Land, dass der Papst auch zu ihnen gekommen ist und mit ihnen gebetet hat...

Mittwoch, 27. Mai 2009

Der erste Spatenstich

Heute war es endlich soweit. Alles was in Tabgha Rang und Namen hat, war versammelt um gemeinsam den ersten Spatenstich für das neue Kloster zu stechen. Aufregenden Sache, jetzt geht es also wirklich los. Der Bauzaun wird im Moment errichtet und während ich so vor meinem Computer sitze, höre ich meine Klimaanlage und vor der Tür den Bagger fahren...

Donnerstag, 21. Mai 2009

21

In diesem Blogeintrag soll sich mal alles um die Zahl 21 drehen. In den letzten tagen ist sie mir öffters begegnet - nicht im Bezug auf Israel, sondern im Bezug auf mich.

21 Jahre werde ich in drei Monaten. 2x Geburtstag in Tabhga. Lässt mich zwei Jahre hier bleiben. Einige Tage später werde ich meine Heimreise antreten. Die Zeit vergeht wie im Fluge...

Am 21.5.09 habe ich seit einigen Monaten hier wieder einen neuen Witz gehört. Wenn man lange mit den gleichen Personen zusammen lebt, dann wiederholen sich manche Dinge eben immer. Wie sagt Mike immer gerne dazu: "Jokes never get old!" Recht hat er... - sorry Jungs, das musste einfach rein ;)

21 Mückenstiche habe ich an meinem rechten Bein. Zurzeit ist das in Tabgha echt schlimm, aber wir haben ja alle damit zu kämpfen. Es ist warm - noch nicht zu warm - und wir leben hier immer noch am See. Das zieht Mücken magisch an.

Mehr ist mir zur Zahl 21 nicht eingefallen, dennoch hat sie mir einen Grund geliefert noch mal etwas auf den Blog zu schreiben. Habe jetzt am Wochenende frei und werde trotzdem so einiges zum Arbeiten haben. Letzte Wochen waren meine Eltern mit Tante, Onkel und Bruder da. Wir haben ein paar gemeinsame Ausflüge im Norden von Israel gemacht. Haifa, Akko, Safed... Von Akko, einer Kreuzfahrerstadt am Mittelmeer, war ich ehrlich gesagt etwas enttäuscht. Ich hatte mir eine idyllische, alte Stadt vorgestellt. Das der Platz, der in jedem Reiseführer angepriesen ist, war gesperrt und mit Unkraut bewachsen - das sagt einiges. Dafür hat mir dann die jüdische Stadt Safed besser gefallen. In kleinen Gassen reihen sich hier Künstlerläden aneinander. Wenn gutes Wetter ist, hat meinen einen schönen Blick über Galiläa. Eine Stadt die zum verweilen einlädt...

Sonntag, 10. Mai 2009

Klosterneubau


Seit einigen Tagen ist es soweit. Der Klosterneubau und die Arbeiten, die damit zusammen hängen, sind im vollen Gange. In den nächsten und letzten Tagen wird/wurde alles für die Abrissarbeiten des alten Gästehauses vorbereitet. Konkret hieß das, dass Tabgha einen neuen Stadtteil bekommen hat. Fertige Wohncontainer, die die alten Gästezimmer, die Laundry und die Werkstatt ersetzen sollen, flogen durch die Luft und nun wird nur noch die Infrastruktur aufgebaut. Dann rollen auch irgendwann die Bagger an, direkt vor meinem Fenster fangen dann die Arbeiten an und es werden wohl vermehrt Ohropax nötig. Mal sehen wie sehr das meinen Schlaf beeinflusst.
Auf der anderen Seite ist man froh, dass die Arbeiten jetzt endlich los gehen. Lange wurde alles vorbereitet, einige Probleme sind aufgetaucht und oft wurden viele Gedanken für den Bau verbraucht. Jetzt geht es los und ich freue mich schon, auf den ersten Spatenstich.
Wenn ich dann in einigen Jahren wieder nach Tabgha komme wird alles anders aussehen als jetzt. Auch das ist eben Tabgha, ein Ort der Veränderung. Vor einigen Tagen haben wir einen neuen Mitarbeiter aus Hannover bekommen - Karim hat gerade seinen Zivildienst beendet und bleibt noch für drei Monate bei uns. Eben ein Ort an dem immer etwas los ist und Veränderung auf dem Tagesprogramm steht.

Mittwoch, 29. April 2009

Yam Yam - einmal quer durch Israel


Genau das hatten wir uns für dieses Wochenende vorgenommen. Gemeinsam mit Mike, Nicole und Johannes zog ich also los, um vom einen Meer (Mittelmeer) zum anderen Meer (Sea of Galilee) zu laufen. Eine Yam-Yam Tour eben. Geschlafen haben wir am Strand, auf der freien Wiese oder an einem einsamen Parkplatz. Gegessen wurden Nudeln und Pita. Gelaufen wurde von 8 Uhr bis Sonnenuntergang. Die Route führte uns durch verschiedene Wadis, an Burgen und Wasserfällen vorbei und hat uns manchmal mehr überrascht als gedacht. So gab es nach hartem Anstieg plötzlich einen wunderbaren Ausblick oder, versteckt hinter Sträuchern und Bäumen, kleine Pools, die man dann auch gerne zur Abkühlung genutzt hat.
3-Wandertage haben wir insgesamt gebraucht und am Ende kann ich sagen, dass ich es zwar geschafft habe, aber meine Schultern, meine Hüfte und meine Füße noch ein wenig Erholung brauchen. Eine wunderbare Tour war es trotzdem, die uns die Natur des Landes nahe gebracht hat und uns einmal quer durch Israel geführt hat... so und jetzt schaut euch einfach die Bilder an.

(Wenn es Fragen gibt, einfach posten ;)

Dienstag, 21. April 2009

Pänz sin all vun einem Herrgott....


Kinder haben doch alle etwas gemeinsam. Schaut man ins Kila nach Deutschland, in die Palästinensergebiete oder an den Strand von Tel Aviv. Alle haben sie noch Spaß am Leben, sind ohne Zwang und genießen ihre freie Zeit in der Sonne.
Im Moment haben wir eine Gruppe aus Bethlehem auf dem Gelände zu Gast. Traumatisierte Kinder und Jugendliche, die Kriegssituationen oder den Verlust von Angehörigen miterlebt haben, können sich bei uns von ihrem Alltag erholen. Natürlich war der Pool eine halbe Stunden nach Eintreffen schon so gut besucht wie noch nie, und deshalb haben wir Zivis es uns natürlich auch nicht nehmen lassen die ein oder andere Wasserschlacht anzufangen.
Genau wie im Kila wurde der Ball hin und her geworfen, auf unsere Schultern gesprungen und eine Menge Quatsch mit dem Wasser gemacht. Kinder sind eben doch überall auf der Welt gleich. Europa, Asien, Afrika, Australien und Amerika. Für unsere Gäste ist der Pool immer ein besonderes Erlebnis, da es gerade in Bethlehem oder der Westbank nicht so gute Möglichkeiten gibt, im Wasser zu spielen.